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Retention und Versickerung von Niederschlagswasser: Drei Projektstandorte - drei unterschiedliche Anforderungen - drei passgenaue Lösungen

2013 – 2020

Aufgabe / Randbedingungen / Projektbeschreibung

Der Umgang mit Niederschlagswasser von neu zu versiegelnden Flächen - auch oder besonders in Ortslagen mit historisch gewachsener Mischkanalisation - hat seit der Neuregelung im Hessischen Wassergesetz in 2010 sehr an Bedeutung gewonnen.

Die im Rahmen langfristiger Entwässerungskonzepte (z. B. GEP) getroffenen Annahmen sind in den meisten Fällen nicht mehr genehmigungsfähig und bedürfen im Rahmen der Erschließungsplanung einer gründlichen Neubetrachtung.

Es gilt, jeweils sehr differenzierte und einzelstandortspezifische Lösungsansätze zu entwickeln, technisch und wirtschaftlich zu betrachten und dann - bereits in einer frühen Planungsphase - deren Genehmigungsfähigkeit mit den zuständigen - meist oberen -  Wasserbehörden abzustimmen bzw. auszuhandeln.

zu 1. Wohnbaugebiet in Rodgau

Genau so stellte sich die Situation auch bei der Erschließungsplanung für dieses Wohnneubaugebiet „auf der grünen Wiese“ in Rodgau dar.
Die gemäß GEP konzipierte Mischkanalisation mit Anschluss an die hydraulisch noch nicht ausgelastete vorhandene Ortskanalisation wurde von der Genehmigungsbehörde abgelehnt. Eine Trennkanalisation mit Regenwassereinleitung in ein Gewässer, wie es bei dem unmittelbar benachbarten Baugebiet noch möglich war, erwies sich auf Grund der Topographie als nicht realisierbar.

Da die Baugrundbedingungen eine Versickerung grundsätzlich zuließen, bestand die Behörde auf der Nutzung dieser Möglichkeit. Nun galt es, in Abwägung mit dem bereits vorliegenden städteplanerischen Konzept eine genehmigungsfähige Lösung zu erarbeiten, die sowohl die gestalterischen als auch die wirtschaftlichen Vorgaben berücksichtigt.

Die Lösung lag hier schließlich in einem Kompromiss, den die zuständige Behörde mittrug und der für den wesentlichen Teil eine Niederschlagswasserversickerung mittels zentraler, vernetzter Mulden vorsieht. Für einen dafür topografisch ungünstig gelegenen Teil des Gebietes wurde einer Mischentwässerung im klassischen Sinne zugestimmt. Wie der beigefügte Lageplan belegt, gelang dies in einer gestalterisch durchaus ansprechenden Umsetzung unter  Ausnutzung des ohnehin geplanten „Grünzuges“ mit „Freizeitweg“ zur Gewährleistung einer landschaftsverträglichen Gestaltung des neuen Ortsrandes.

Leistungen

Für die Gewerke Entwässerung (einschließlich Versickerung), Wasserversorgung und Straßenbau wurden die Leistungsphasen 1 - 6 erbracht. Die Örtliche Bauüberwachung erfolgt ab 2020.

2. Reihenhauszeile in Rodgau

Im Rahmen der Umwidmung einer größeren innerörtlichen Fläche von Freizeitnutzung zu Wohnbebauung gab es auch hier die behördliche Vorgabe einer Fernhaltung des Niederschlagswassers aus der Mischkanalisation. In Ermangelung eines Vorfluters kam auch hier nur die Versickerung in Betracht. Auf Grund der Begrenztheit der verfügbaren Flächen musste für die Reihenhauszeile eine dezentrale Lösung gefunden werden. Im Zuge der Planung wurden alternativ eine unterirdische Rigolenversickerung unter den Parkflächen der Gebäudevorderseite und eine Flächenversickerung als sehr flache, begrünte Mulde im Grünstreifen auf der Gebäuderückseite konzipiert. Die zweite Variante war dabei deutlich wirtschaftlicher als die erste, schränkte jedoch die Nutzungsmöglichkeiten der Grünfläche und damit deren Freizeitwert für die Nutzer ein. Theoretisch wäre eine grundstücksspezifische Einzelfallentscheidung seitens der späteren Nutzer möglich gewesen. Praktisch entschied sich der Bauträger jedoch nach der Planung für die Ausführung der Variante 1.

Leistungen

Die Grundstücksentwässerung wurde durch unser Büro einschließlich des Überflutungsnachweises bis zur Entwurfs-/ Genehmigungsplanung erstellt und dafür die erforderlichen Abstimmungen mit den Behörden erfolgreich getätigt. Ab der Ausführungsplanung hatte unser Büro noch eine beratende Funktion hinsichtlich der Versickerungsanlagen. Für die unmittelbar benachbarte große neu gebaute Seniorenresidenz hat unser Büro zunächst Beratungsleistungen für die Niederschlagswasserentsorgung und die Vorabstimmung mit den Genehmigungsbehörden übernommen. Die weitere Planung erfolgte dann durch den TGA-Planer des Objektes.

3. Gewerbegrundstück in Heusenstamm

In einem Mischgebiet in Heusenstamm sollte ein Wohn- und Geschäftshaus auf einem bis dahin noch unbebauten Grundstück errichtet werden. Dabei mussten erhebliche Teile des Grundstückes durch Gebäude und Verkehrsflächen befestigt werden. Eine Einleitung des Niederschlagswassers in den Kanal durfte nur mit maximal 10 l/s erfolgen. In enger Abstimmung mit dem Architekten, dem Bodengutachter, dem Bauamt und der zuständigen Wasserbehörde wurde durch unser Büro ein genehmigungsfähiges Konzept entwickelt und geplant. Dabei wurde in einer Kombination aus Minimierung der Abflüsse, Retention und Versickerung sowie Notentlastung und Nachweis der schadfreien Überflutung, eine technisch, formal und wirtschaftlich optimierte Lösung gefunden, mit der alle Projektbeteiligten zufrieden sind.

Eine besondere Schwierigkeit bestand darin, dass die versickerungsfähigen Bodenschichten teilweise erst in mehreren Metern Tiefe anstanden. In der Phase der Bauausführung war unser Büro dann jedoch nicht mehr involviert.

Auftraggeber

Zu 1. Hessische Landgesellschaft Kassel

Zu 2. Architekturbüro für Sportverein

Zu 3. Bauträger für privaten Investor

Leistungen

Zu 1. Planung 2014; Bau 2016Erschließungsfläche: 2,9 ha, 970 m Kanal, 3 Versickerungsmulden, ges. 900 m2, LP (1 - 6) u. örtl. BÜ, anr. Kosten ca. 1,8 Mio. €

Zu 2. 9 Reihenhäuser, 9 Rigolenversickerungen, Beratung, Planung, behördliche Freigabe

Zu 3. 2.300 m2 entwässerte Fläche innerörtlich, Beratung, Planung, behördl. Genehmigung

Bauzeit

Zu 1. Planung 2014 - 2019; Bau 2020

Zu 2. Planung 2014; Bau 2016

Zu 3. Planung und Bau 2013